Eurobike – Kurze Eindrücke im Rückblick

Verkehrte Welt: da die DB-App eine Fahrtzeit von + 12 Stunden und 7 x Umsteigen auswarf, musste ich mit dem Auto zur Fahrrad- Leitmesse fahren. Und im Sauerland schien die Sonne, während sie in der Bodenseeregion langsam darüber nachdenken können, Archen zu bauen.

Zuerst aber vielen Dank an Mirjam und Gunnar, die die Bloggerbase und das Programm hervorragend organisiert haben. Prominenter Standort direkt neben der großen Bühne, das Frühstück mit Supportern, die Führung und die Möglichkeit, mit Firmen und Mitbloggern konstruktive Gespräche zu führen. Man merkt, der Wrider´s Club wird nicht nur als verlängerter Arm der Marketingabteilungen gesehen.

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Laut Mirjam waren es so viele Aussteller wie nie, nämlich 1400 Aussteller auf der Messe, davon ca. 100 neue, meistens Start-Up´s.  Die sogenannten Großen, die auf der Eurobike nicht mehr ausstellen, habe ich nicht vermisst. Denn das gefühlt 593ste und 594ste eMTB mit im Unterrohr integriertem Akku als „Innovation“ musste ich nun auch nicht sehen. Für Leute, die Ideen für das Leben und Reisen mit dem Fahrrad haben, und diese mit Leidenschaft umsetzen und vermarkten, besuche ich die Eurobike. Und da gab es sehr viele.

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Die Enthusiasten von Red Rebane

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Undercover

Das Thema „Reisen“ war am Samstag auf der Bühne auch super präsentiert. Tanja und Dennis Katzer  sowie Susanne Brüsch weckten die Reiselust.

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Deshalb hier mein erster Appell an die Veranstalter: überdenkt das Konzept noch einmal. Gebt den Start-Up´s und Innovationen eine Chance, sich auch Endkunden zu präsentieren.

Die großen Hersteller werden sich bedingt durch das eBusiness zukünftig viel mehr mit dem Endkunden auseinandersetzen müssen. Ich kann den Wunsch nach einer reinen Fachbesuchermesse nicht nachvollziehen. Seht Euch mal den Werdegang der Cebit an, die sind den gleichen Weg gegangen. In die Bedeutungslosigkeit!

Denn das anfangs erwähnte  „Verkehrtewelt-Gefühl“ sollte mich die gesamte Messe über nicht ganz verlassen: gezeigt wurden lediglich Produkte, von denen die meisten am zweiten Messetag kaum noch unterscheidbar waren. Höher, Größer und Weiter führt im Ergebnis zu ähnlichen Lösungen.  Auf die Spitze getrieben hat es dieser Aussteller:

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Wo bleiben die Anwendungen, Mobilitätskonzepte, Alltagskonzepte, der Lifestyle, das Fahrad- Freiheits -Gefühl?

Ich hatte viele tolle Gespräche, viele Visitenkarten, Kataloge und Fotos. In den nächsten Blogs werde ich Euch über meine Highlights zu Reisen und Alltag mit dem Speedpedelec berichten.

 

 

2xAlpX – der doppelte Alpencross: Wege und Routen mit dem Speedpedelec

Habe ich es schon erwähnt? Ich bin jetzt Mitglied im Wrider´s Club und damit Influencer. Diese Bloggerbase ist eine tolle Sache, hier haben Enthusiasten und Anwender eine mit der Industrie interaktive Plattform. Mal sehen, wie es mit dem influenzen so klappt. Gerade beim Thema Speedpedelec ist da noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

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Nicht durch eine Laune der Natur, sondern wegen Unkenntnis und Ignoranz des Behördenapparates und seiner Entscheider wird unser Speedpedelec mit einem Motorroller gleichgestellt. Obwohl der einzige technische Unterschied, wohlgemerkt einzige Unterschied zu einem 25er Pedelec darin besteht, dass der Motor bei 25 km/h nicht abregelt. Wir wurden oft darauf angesprochen bzw. in den Bergen von anderen Bikern blöd angemacht, deshalb noch mal zum Mitschreiben: dat Ding hat keinen Gasgriff! Man muss treten! Und zwar ordentlich! Bergauf mehr als mit dem CX. Und es stinkt nicht und macht keinen Krach.

Deshalb habe ich keine Hemmungen, eine Tour auf Radwegen, Forstwegen und auch Singletrails zu planen. Als verantwortliche Erwachsene über 50 sind wir in der Lage, rücksichtsvoll zu fahren. Und innerorts wird auf der Straße gefahren. Mit breitem Kreuz und Selbstbewusstsein. Auch wenn´s dem deutschen Autofahrer nicht gefällt.

Die Route durch Hessen bis nach BW hinein habe ich mit dem alten! Radroutenplaner Hessen geplant ( den Neuen habe sie verschlimmbessert, gibt längere Routen aus ).

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Wir haben Tante Nyon im Einsatz, deshalb habe ich alle geplanten Routen ins eBike- Connect als GPX hochgeladen.

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Für alle weiteren Planungen habe ich mich für Outdooractive entschieden. Der Routenplaner für Baden-Württemberg gibt merkwürdige Routen raus und Bayern hat erst gar keinen für das normale Radwegenetz, nur für Fernradwege. Auch für Österreich und Südtirol war  Outdooractive am detailliertesten. Im Gegensatz zu Koomot lassen sich bei Outdooractive die Routen als GPX exportieren.

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Die Bosch-Connect-Routenplanung kam nicht in Frage, für ein Speedpedelec werden meistens nur StVO – konforme Routen geplant, also Straßen. Diese Info wird wohl beim Synchronisieren gesetzt. Kurioserweise gab es Ausnahmen, die eher zufällig waren als bestimmten Regeln zu folgen, also unverlässlich waren. Mit den importierten GPX zeigte uns Tante Nyon überwiegend den richtigen Weg. Manchmal schienen die Kartenbasis der Planer und Bosch etwas unterschiedlich zu sein, dann war Tante Nyon lost in Space:

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Und die Realität am Starmberger See:

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Eines war richtig schlecht: das beschilderte Radwegenetz in Bayern und teilweise auch in Österreich scheinen nicht digitalisiert zu sein. Weder Outdooractive noch Bosch haben uns auf den beschilderten Radwegen geführt, sondern oft über Straßen. Blöd, wenn man sich Ortsnamen beim Planen nicht notiert. Und die alte Nyon Software das Verschieben der Karte zur Orientierung nicht zugelassen hat. Wir mussten uns manches Mal entscheiden, ob wir den Schildern oder Tante Nyon folgen sollten. Das Navi hatte noch einen Nachteil: Tante Nyon zeigt nicht immer die Ortsnamen an, so wussten wir oft nicht, wo genau wir waren.

Überhaupt Bayern: abseits der Fernradwege nicht unbedingt das Land des Radlers. Je nach Landkreis war die Beschilderung gut oder grottenschlecht. Das galt auch für die Wege: mal super Radweg, im nächsten Landkreis eine zufällige Zusammenstellung von Wirtschaftswegen. Hessen und BW sind da durchgängiger. Bayern ist definitiv Autoland.

In Österreich gibt es in den Tälern meist gute Radwege, allerdings etwas unauffällig beschildert.

In Südtirol, besonders im Eisack-, Puster- und Drautal haben die Behörden richtig investiert. An den Straßen große Hinweisschilder zu den Radwegen, durchgängig auffällige Beschilderung oder Richtungszeichen auf dem Asphalt, tolle Wegeführung abseits der Hauptstrassen, gute Routeninfos. Sogar Verkehrszähler gibt es.

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Fazit: wenn es der Speedpedelecbiker nicht allzu ernst mit der StVO nimmt, kann er mit Hilfe der Routenplaner und Tante Nyon sorgenfrei wunderbare Routen fahren. Auf den Straßen sowohl inner- als auch außerorts bleibt es zwiespältig: offensichtlich löst ein Speedpedelec beim normalen Autofahrer, aber besonders dem Deutschen im Ausland, eine Art Zwang zum Überholen aus. Und wenn das bedeutet, dass man 20cm Abstand hält, innerorts auf 80 beschleunigen muss, 60 in einer 30er Zone fährt oder Verkehrsinseln streift, Hauptsache vorbei. Wir waren immer froh, wieder auf den Radwegen, Forstwegen oder Singletrails zu fahren. Hier ist Lobbyarbeit bzw. heftiges Influencen nowendig.

2xAlpX – der doppelte Alpencross: die ganze Geschichte in Highlights

Unser letzter Versuch, Kärnten zu erreichen, ist, wie Ihr gelesen habt, 2014 in Rosenheim wegen schlechten Wetters geendet. In diesem Jahr sind wir das Ganze erneut angegangen und haben unser Ziel in Kärnten erreicht. Und mehr als das: unter freundlicher „Mithilfe“ der österreichischen Bundesbahn haben wir die Alpen ein zweites Mal auf einem klassischen Weg überquert.

Wir haben wieder Zelt und Schlafsäcke eingepackt, dazu Klamotten für 2 -3 Wochen, auf Kocher, Geschirr etc. haben wir verzichtet, wollten ja schliesslich Urlaub haben. Das Wetter war für die nächsten Tage nicht ganz verheissungsvoll vorhergesagt, wir hatten aber volle Regenausrüstung.

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Wie Ihr auf dem Bild sehen könnt, hatten wir vorher kein spezielles Fitnessprogramm durchgezogen.

Frohen Mutes ging es los, nach 100 Metern war erst mal Stopp und dann Basteln angesagt. Die Erhöhung des Luftdruckes um 0,5 bar führte dazu, dass der Reifen an einer Schraube des Schutzbleches schliff. Danke dafür an den Hersteller…..

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Frankfurt haben wir uns erspart und sind mit der S-Bahn nach Langen gefahren. Unsere Route sollte zunächst durch den Odenwald und die schwäbische Alb zur Donau führen. Von dort weiter über Augsburg zum Ammersee, Starnberger See und ab Tegernsee über den ersten Buckel nach Österreich ins Inntal. Weiter durchs Zillertal hoch zum Schlegeisspeicher und aufs Pflitscherjoch, das Pustertal hoch und zum guten Schluß durchs Lesachtal hinunter nach Kötschach-Mauthen, von uns liebevoll Kötschach-Mountain genannt. Dort wollten wir ein paar Tage bleiben und dann nach einem Abstecher an den Wörthersee mit der Bahn zurück nach Königstein. Ein guter Plan, die Strecken dazu habe ich bei „Outddooractive“ geplant und auf Tante Nyon geladen.

Die Fahrt durch den Odenwald war schön und ereignisarm, nach einer Übernachtung in Amorbach holte uns das schlechte Wetter in Jagsthausen ein. In der Götzenburg – ja eben die vom „er könne mich mal im Arsche lecken – Götz“ – baten wir um Herberge, einen Stall für unsere Stahlrösser und einige Elektronen für diese. Wir kamen im Erkerzimmer unter, die Rösser im ehemaligen Marstall.

Im Herrenzimmer wurden wir feudal versorgt.

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Am nächsten Morgen war alles gut, nur hatte der Sommer beschlossen, der Regenzeit zu weichen. Beim Start regnete es wenig, später dann mehr. In Waldenburg am Rande der Alb schüttete es wie aus Kübeln.

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In einem Cafe durften wir erst mal unsere Klamotten in den Trockner werfen. Bei Kaffee und Kuchen beschlossen wir nach Blick in diverse Wetter-Apps, in Schwäbisch Hall im Hotel Hohenlohe einzuchecken. Die haben dort einen direkten Zugang zu Sauna und Solebad und genau danach stand uns der Sinn, wenn wir schon eine Schlechtwetterfront auszusitzen hatten. Völlig durchweicht kamen wir an, wurden freundlich bedauernd aufgenommen und durften unsere nassen Klamotten direkt in den Heizungskeller schieben. dscn02621.jpg

Die Schuhe brauchten 2 Tage zum Trocknen, was uns etwas mitleidig verwunderte Blicke einbrachte, als wir bei 13 Grad in Sandalen die Stadt besichtigten. Schwäbisch Hall ist  übrigens wunderschön.

Nach einem Tag Zwangspause ging es über die letzten offiziellen Schotterstraßen Deutschlands an die Donau.

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Obwohl uns Bayern mit einer im Vergleich zu Baden-Württemberg eher unausgeprägten Radwegeinfrastruktur empfing…

Blick nach Bayern:

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Blick nach Baden Württemberg:

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………. erreichten wir nach 3 Tagen unser erstes geplantes Etappenziel direkt an den Bergen, den Tegernsee. Ab hier hatte ich die Alpenüberfahrt anhand der Beschreibung des Alpencross light von ULP – Tours geplant: Tegernsee, Valepp, Erzherzog-Johann-Klause – Inntal über Schotterwege.

Der Aufstieg ins Valepp Tal ging über eine ruhige Mautstraße. Schnell waren 1000m Höhe erreicht und damit die Grenze nach Österreich.

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Wir wissen nicht, ob J.R.R. Tolkien die gleiche Tour machte, aber wir sind in Bruchtal angekommen:

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Es war heiss und ein Highlight dieser Tour war der Eiscafe in einem der schönsten Seitentäler Österreichs.

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Der Übergang zum Zillertalradweg war nicht ganz leicht zu finden, Tante Nyon hatte uns etwas in die Irre geführt, aber die Täler in Österreich sind recht überschaubar. Die Richtung war ja klar. In Zell am Ziller gönnten wir uns bei herrlichstem Sommerwetter einen Ruhetag, bevor wie den Aufstieg zum Schlegeisspeicher und dem Pfitscherjoch in Angriff nahmen.

Bei ULP hiess es: „Die Tour führt über schöne Wald- und Forstwege vom Tegernsee ins Pustertal. Mit 3200 Höhenmetern und 183 Kilometern eine Transalp für Einsteiger…….. Bis auf wenige Schiebestrecken lässt sich alles gut fahren.“ Passt, dachten wir, schliesslich sind wir im Sauerland und Westerwald die eine oder andere Mountainbikestrecke auch mit Gepäck abgefahren. Und die galten als mittelschwer…….

Für den Teil Tegernsee bis Schlegeisspeicher stimmte das, auch der Singletrail zur Umfahrung eines Tunnels ist mit Gepäck auf den Delites prima zu fahren.

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Der Schlegeisspeicher ist auf 1800m Höhe gelegen, das sind etwa 1250 hm ab Zell und war damit die erste größere Herausforderung der Tour. Die Staumauer sieht fast so aus, als sei ein verbotenes Land dahinter, die Klapperschlange lässt grüßen:

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Doch zum Glück konnten wir noch Kaiserschmarrn und Knödel bei fantastischer Aussicht genießen, bevor wir zu Teil 2 aufbrachen.

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Hinter dem Schlegeisspreicher könnte man auch noch fahren, ab und zu zwingen einen aber grobe Blöcke zum Absteigen. Nach dem 5. Mal Absteigen schiebt man lieber, wie alle anderen Biker auf Biobikes übrigens auch. Wer die Strecke kennt, kommt hier sicher auch auf dem Bike sitzend weiter.

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Ab halbem Weg gibt es immer mehr Tragepassagen: d.h. 20 kg Gepäck hochtragen, zurück. Akkus hochtragen – zurück. Räder hochtragen – weiter. Stutzig wirst Du dann, wenn Dir jeder Biobiker mit geschultertem Rad entgegenkommt. Habe ich schon erwähnt, dass in allen Beschreibungen nix von Tragen stand? Wir waren nicht die Einzigen, die das so gelesen haben, allerdings die Einzigen, die eBikes und Campingzeugs dabei hatten. Dazu kamen jede Menge Wanderer. Die Kommentare hatten die Bandbreite „Respekt!“ bis „seid´s Ihr völlig deppert?“. Wir haben alles getragen wie am Mount Everest beschrieben: 2 Schritte, stehenbleiben, Luft holen, 2 Schritte…….. . Ab und zu standen wir Schlange. Ich dachte: wenn ich sterbe, bleibe ich bestimmt hier liegen. Vielleicht schaffe ich es in die Wegbeschreibung wie „Green Shoes“ am Everest: an der weißen Ortlieb Tasche links vorbei……….

 

Schieben……

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Tragen: wer hier zoomen kann, sieht andere Biketräger

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Tragen:

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Ein Kinderspiel:

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Für die 5 km bis zum Joch brauchten wir 4 Stunden und waren fix und fertig. An der Lavitzalm standen Handwerkerautos mit abgefahrenen Reifen. Prima, dachten wir, jetzt können wir fahren. Denkste: dankenswerterweise wurden die Wege neu gekiest und nicht gewalzt. Also haben wir die letzen Höhenmeter weiter geschoben………..

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Aber: wir haben es geschafft!

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Die Abfahrt geht über wunderbar glatte Schotterstraßen hinunter in Pfitschtal. Traumhaft!

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Und das Abendessen war dann das Beste der ganzen Tour. Eine waschechte italienische Familie kochte Südtiroler Spezialitäten für ihre überwiegend italienischen Gäste ihrer Pension.

Am nächsten Morgen rollten wir gemütlich runter ins Eisacktal, assen mittags bei der Franzensfeste eine der besten Pizzas Italiens…..

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…… und fuhren dann den wunderschönen und super ausgeschilderten Pustertal- Radweg hinauf nach Toblach. Der Campingplatz am Toblacher See ist sehr schön, auf der Zeltwiese kommt Basecamp Atmosphäre auf.

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Nur noch eine Etappe durchs Lesachtal- und wir haben unser Ziel Kötschach- Mountain erreicht. Ein Bad in der Gail war bei fast 40 Grad Lufttemperatur die Krönung der Tour.

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Der Campingplatz in Kötschach – Mountain war völlig überfüllt, wir mussten unser Zelt direkt an der Straße aufbauen und in der Nacht ging ein heftiges Gewitter nieder. Laut Wetter-Apps sollten für die nächsten 3 Tage auf der Alpensüdseite heftige Unwetter folgen. Alles keine schönen Aussichten, dann doch lieber ab in die Bahn, auf die Alpennordseite und vielleicht noch ein paar Kilometer Tauernradweg unter die Räder nehmen. Doch die ÖBB hatte den Betrieb der Gailtalbahn ab Kötschach eingestellt und über die Alpen fährt nur noch der Railjet mit genau 5! Fahrradplätzen pro Zug. Die sind natürlich ein/ zwei Wochen im Voraus ausgebucht. Und das war die Mithilfe der ÖBB: wir durften den Alpe-Adria Trail von Süd nach Nord fahren. Heißt: hoch zur Tauernschleuse auf 1200m und auf der anderen Seite ab Bad Gastein Richtung Salzburg.

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In Bad Gastein hatte sich das Unwetter festgesetzt, im Gasteintal waren sogar Straßen gesperrt. So blieben wir noch einen Tag dort. Eine weise Entscheidung, wie die Wassermenge im berühmten Wasserfall und auch der Blick aus unserem Hotelzimmer zeigen.

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Die letzten Kilometer im Sattel gehörten dem Tauernradweg. Bei Sonnenschein ein Genuss.

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In Schwarzach St. Veit stand die S-Bahn nach Salzburg für uns bereit, ab Salzburg sind wir dann mit dem „Quer-durchs-Land-Ticket“ in Regionalbahnen über München, Treuchtlingen und Würzburg nach Frankfurt gefahren. Dauerte etwa 11 Stunden und war entspannend.

Wir sind in 15 Tagen über 1000km gefahren, die Höhenmeter haben wir noch nicht aufaddiert. Haben aber schon in der Planung keine Rücksicht auf Steigungen genommen, da kam bestimmt einiges zusammen. Frau Nyon hat uns im Großen und Ganzen super geführt, nur in Bayern scheinen die Radwege nicht elektronisch kartographiert zu sein. Weder Outdooractive noch Bosch konnte eine Route anhand der Radwege planen. In Südtirol sind die Radwege super in Schuss und gut beschildert. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es entlang einer Route immer. Mit dem eBike ist es auch nicht so schlimm, noch mal ein paar Extrakilometer zum nächsten Zeltplatz zu fahren. Die Doppelakkus haben sich bewährt, tagsüber Nachladen war nie notwendig. Und traue niemals Streckenbeschreibungen aus der Mountainbike- Szene!

Insgesamt war die Tour anstrengend, aber herrlich entspannend. Aber das Mantra des Radlers ist immer noch: „mein A….. tut weh, mein A….. tut weh ………..“

Von Zweien, die noch ein paar Kilometer nachholten – die „wer braucht schon die Alpen, wir haben den Main“ Urlaubstour

Obwohl wir wunderschöne Tage in Kärnten hatten, fühlten wir uns radeltechnisch noch nicht so richtig augelastet. Dem Hintern ging es einfach noch zu gut und so haben wir die Räder noch mal beladen und sind mit der Bahn nach Bamberg gefahren. Von dort wollten wir noch mal 3 Tage am Main längs, wollten mal sehen wie wie weit uns die Räder tragen werden. Die Bahnfahrt war unspektakulär, man sollte in Bayern nur nicht vergessen, Extra-Tickets für die Räder zu besorgen. In Hessen kosten die Räder nix.

In Bamberg führte der Weg erst mal ins Schlänkerla, ächt lecker Rauchbier und Haxe gab es dort.

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Es war der Radfahrermoral nicht so ganz zuträglich, aber am Kachelofen war es nun mal so schön.

Entgegen aller Wetterprognosen setzte sich das kühle Frühherbstwetter wieder durch, was auch dazu beitrug, sich mal wieder in der Zeit zurückversetzt zu fühlen.

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Man beachte die original 30er Jahre Biotonne.

Doch genug der Trödelei, der Mainradweg lockte uns aus Bamberg raus. Flott ging es voran, den üblichen Radlergruppen in Lycra war es wohl doch zu frisch, wir hatten also freie Fahrt. Doch nach kurzer Zeit gingen Moral, Kondition und Radellust wegen der Kälte, des ächt Schlänkerla Rauchbiers und der Haxe vor die Säue:

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Sau und Schweinehund lachten sich fast tot. Zum Abendessen gab es dafür dann Schnitzel in der Gaststätte zum Wal in Trennfurt. Das war alles so passend, dass wir zufrieden ins Bett fielen.

Was uns auch hier wieder auffiel: auch wenn die Hotels und Pensionen meistens keine ausgewiesenen Stellplätze für Fahrräder hatten, so gab sich jeder Wirt ausgesprochen Mühe, die Räder trocken und sicher unterzustellen. Manchmal wurde die private Garage geräumt, wenn es sein musste, auch von Familienmitgliedern. Oder die Waschküche. Irgendein guter Platz fand sich immer.

Am nächsten Morgen waren Rauchbier, Haxe und Schnitzel überwunden und der Schweinehund blieb bei den Säuen in Trennfurt. Das Wetter wurde besser und wir kamen von Bierfranken nach Weinfranken. Und die Weinfranken verstehen zu leben, es gab jede Menge lauschige Lokale am Wegesrand.

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Es war die beginnende Zwiebelkuchenzeit. Und im Lichte des Spätsommers wirkten die Städtchen auf dem Weg idyllischer als sonst.

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In Ochsenfurt, mitten in der Altstadt wurden wir sehr nett aufgenommen. Haus zum grünen Weinstock in historischem Ambiente.

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Ein echt krasser Gegensatz zur Gästeinformation:

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Fremder, kommst Du nach Ochsenfurt, sei herzlich willkommen, Du kommst hier nicht wieder weg……………………..

Nach einem sehr guten Frühstück und einem sehr netten Gespräch mit einem irischen Radfahrer in der Wohnküche der Wirtin machten wir uns auf nach Würzburg. Die Strandbar war noch geschlossen, die Kür somit verwehrt,

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also gab es dann die Pflicht und über die alte Brücke gingen wir dann hinein in die Stadt. In der Nähe dieser Brücke gibt es einen bewachten Fahrradparkplatz, gegen einen geringen Obulus kann man hier Rad und Gepäck ruhigen Gewissens zurücklassen.

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Nur 10 Kilometer weiter waren wir dann im Himmelreich. Hier hängen die Trauben hoch, der Reisende darf alle Sorten probieren, so er denn dran kommt. Freundlicherweise stellen die Himmelsbewohner aus Himmelreich eine kleine Leiter zur Verfügung.

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Das war interessant und lecker und eine andere Art Himmelreich gab es dann ein paar Kilometer weiter:

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Ja ja, die Franken wissen, wie es geht und dieser Weg, er wird dann ein leichter sein:

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Wir kamen bis Gemünden am Main. Von hier geht die Bahnlinie direkt nach Frankfurt, eine Stunde später kamen wir dort am Hauptbahnhof an.

In diesem Sommer, dem Sommer 2014 fuhren wir mehr als 800 km durch halb Deutschland. Geprägt durch viele Tourenberichte hatten wir die eine oder andere Erwartung an Strecke und Landschaft. Mainradweg, liebliches Taubertal, romantisches Altmühltal, Isarradweg, Mangfallradweg – nur der Mainradweg war in unserer Wahrnehmung richtig schön. Am Mainradweg stimmt fast alles: er ist fast immer direkt am Main, die Ortsdurchfahrten führen immer durch die wunderbaren Altstädte, es gibt viele Unterkünfte und auch eine touristische Infrastruktur in Form von netten Gartenlokalen und Straußenwirtschaften, Eisdielen, Hinweisen zu Übernachtungsmöglichkeiten am Wegesrand etc. .

Mit dem S-Pedelec eckten wir kein einziges Mal an, wir haben uns mit den Geschwindigkeiten immer an den Verkehr angepasst. Und wenn die Bahn mal wirklich frei ist, kann man halt mal ein paar Kilometer schnell hinter sich bringen. Manchmal zu schnell, im Rückblick kommen uns manche Abschnitte wie ein Film vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – das Ende

Sehr gut geschlafen, schönes Zimmer, nette Gastgeber – leider kein Frühstück und der einzige Bäcker des Ortes weilte im sonnigen Süden. Recht hatte er, es ist über Nacht  kalt geworden, aber so richtig. Zum Glück ist es auf dem weiteren Weg hügelig, da wird uns schnell etwas wärmer. Beim Anblick der fast reifen Hopfenblüten lacht dem Geniesser das Herz. Ich habe schon viel Hopfen zu mir genommen, die Unterschiede zwischen den Sorten habe ich aber erst wahrgenommen, als ich jetzt an den Blüten gerochen haben. Zitrone, Orange und Mandarine dominierten bei den neuen Sorten.

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Halb verhungert überfielen wir in Pfaffenhofen den ersten Metzger und plünderten seine Frischetheke. Wir waren nicht die Ersten, in einem Wohnmobil vor der Tür frühstückte ein nettes Paar und wir kamen ins Gespräch. Es ist einfach klasse, 90% aller Gespräche beginnen mit: „Warum hat Ihr Bike ein Nummernschild?“ . Also liebe zweiradfahrenden Mitstreiter: solltet Ihr auf einer Tour unter Vereinsamung leiden, montiert einfach ein Nummerschild ans Bike, egal was, egal wo, es funktioniert.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir bisher keine Route für die Alpenüberquerung ausgesucht hatte. Plan war: bis Rosenheim und dann mal sehen. Der nette Wohnmobilist hatte vor ein paar Jahren den Alpe-Adria Radweg gemacht, diesen Tipp nahmen wir dankbar an. Aber erst mal galt es, die Isar zu finden, nicht ganz leicht im Bayernnetz mit den Beschilderungen, die immer nur den nächsten Ort oder besser noch, den übernächsten anzeigten.

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Wir haben sie dann gefunden, voller Vorfreude auf Biergärten, einem zünftigen Essen, den englischen Garten, ein Bad in den Isarauen…… ach München, Du großartige Metropole der lockeren bajuwarischen Lebenskunst.

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Das Bild vor München

Die Realität hielt dem nicht ganz stand: der Isarradweg ist links und rechts umsäumt von hohem Gebüsch, was einer schönen Aussicht nicht ganz zuträglich ist. Es gab auf 25 km keinen einzigen Biergarten, noch nicht mal einen Wegweiser zu einem solchen. Der englische Garten war leer, keine Menschenseele zu sehen. Und Essen? Das einzige offene Café auf dem Weg hatte am Nachmittag nur kalte vegetarische Küche. Aber die Radler in der Stadt waren super freundlich. Sobald wir stehen blieben, fragte jemand, ob wir den Weg kennen und ob man uns helfen könne. Ein Radler nahm uns dann ins Schlepptau bis zum südlichen Stadtrand. Der war was durchtrainiert: mit dem Siebengangrad seines Vaters fuhr er Kreise um uns.

Hinter München dann in Richtung Voralpen wollten wir eine Unterkunft suchen. Alles belegt: Hotels, Monteurzimmer, Pensionen, einfach alles. Und da wir längs der A8 fuhren, belegten die Reisenden auch dort alle übrigen Zimmer.

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Das letzte Bild nach München

Es war inzwischen saukalt, regnerisch, die Alpen versteckten sich und wir hatten fast 140 km in Beinen und Akkus. Die Kekse vom Titelbild sahen aus wie mit Rauhreif überzogen. Das letzte freie Zimmer im Umkreis von 30 km konnten wir in Rosenheim buchen, original 60er Jahre…. nicht Style, sondern original! Mit dem Zug fuhren wir dort hin und fielen todmüde, völlig fertig und frustriert ins Bett.

Am nächsten Tag waren die Berge von einer leichten Neuschneedecke überzogen. Dafür waren wir nicht ausgerüstet und motivierend war es nun auch nicht unbedingt. Geschwind buchten wir ein Quer-durch-Deutschland-Ticket und 12 Stunden später waren wir wieder zu Hause.

Ab mit den Rädern ins Auto und ab ging es nach Kärnten. Wie wir unterwegs feststellten, war die Null-Grad Grenze tagsüber bei 1500m angekommen, es war eine gute Entscheidung.

 

Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – Tag 4

Das Frühstück war wunderbar. Wir saßen zusammen mit einer 5-köpfigen Familie am Tisch im Wohnzimmer der Gastgeber. Diese sind mit dem Rad in Aschaffenburg gestartet und wollten die Altmühl runter an die Donau. Super motiviert und super nett. Wir aßen brav auf und machten uns dann auch auf den Weg. Den ersten Zwischenstopp gab es für ein Kneipp-Bad in Berolzheim. Eine Wohltat für Radlerbeine. Endlich spielte auch das Wetter mit. Es war angenehm warm und wir erfreuten uns unseres Radlerlebens im schönen Altmühltal.

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Nein, die Tourismusbehörden übertreiben nicht, wenn sie die Schönheit des unteren Altmühltales anpreisen.

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Unweit dieses Schloss, direkt hinter einer Fußgängerbrücke,die in die Eichstätter Altstadt führt, gibt es das beste Eis Frankens.

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Wir mussten nun den gut ausgeschilderten Altmühltalradweg verlassen, um uns westlich um Ingolstadt herum durch die Hallertau zur Isar auf normalen Radwegen durchzuschlagen. Als Karte verwendeten wir die Bayern-Radler-App. Leider mussten wir feststellen, dass Beschilderung und Karte nicht immer übereinstimmten und landeten immer wieder auf viel befahrenen Straßen. Die Donau überquerten wir auf einem nur 1m breiten „Radweg“ zwischen Leitplanke und Brückengeländer. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt, „donauromantischer“ .

Am Abend wurde es kühler, Zelten war nicht so verlockend. Die Suche nach einer Pension oder einem Hotel war schwierig. Die wenigen Unterkünfte waren entweder sündhaft teuer oder belegt. Ein netter Wirt eines leider belegten Hotels nannte uns eine Pizzeria, die Zimmer an Monteure vermietete. Und was sollen wir sagen: ein schönes Zimmer und leckere Pizza im Biergarten am Haus nach 120 Kilometern – es gibt nichts Schöneres…..

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Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – Tag 3

So ganz früh waren wir dann nicht am Start. Vielleicht hatte daran ja das Dorffest mit dem guten Bier seinen Anteil. Zumindest haben wir dort die Flüssigkeits- und Kohlehydratspeicher wieder aufgefüllt. In mir wuchs an diesem Abend ein tiefes Verständnis für Kamele.

Nach dem Frühstück ging es weiter im Taubertal, immer weiter auf der Suche nach Lieblichkeit. Diese freundliche Gestalt konnte uns leider auch nicht die richtigen Ecken zeigen.

Kurz vor Rothenburg ob der Tauber wurde es hügeliger, endlich hatten auch unsere Bikes was zu arbeiten. Bis dahin rollten wir mit wenig Unterstützung und leichter Pedalkraft vor uns hin, Durchschnitt etwa 23 km/h. Rothenburg thronte düster über uns und wir nahmen den steilen Weg zum unteren Stadttor unter unsere Räder.

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Durchs Stadttor hindurch in die mittelalterliche Stadt und hinein in…. die Toskana? Wir hörten nur italienisch. In einer Bäckerei erfuhren wir dann, dass – warum auch immer – etwa 7 – 8 Busladungen von Pilgern aus Italien in der Stadt waren. Na ja, es war kalt draußen, drinnen voll, aber wir brauchten Energie für uns und unsere Bikes und wärmten uns in besagter Bäckerei auf.

Man sagt ja, der dritte Tag sei auf Reisen immer etwas kritisch. Und es stimmt! Wir verfuhren uns auf dem Weg zum oberen Altmühltal,

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die Rastplätze waren weniger einladend,

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es war faszinierend, dass die Windgeräusche nach dem Anhalten nicht nachliessen ( die Sonnenbrille ist hier Staubschutz ),

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und wir hatten das Gefühl, in der Zeit zurückzureisen:

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Man reiche mir den Schierlingsbecher oder ähnliches:

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Herbstzeitlose, das einzig Bunte auf den Wiesen

Genug der Jammerei, der Tag endete dann doch noch versöhnlich in einer wunderbaren Privatpension in einem gemütlichen Zimmer. Und der Kühlschrank im Flur war gut gefüllt – Stichwort Kamele 😉 .

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Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – Tag 2

Die Liebe zu Liebes währte nur eine Nacht, danach zog uns die Liebe zum harten Sattel und schnellem Vorankommen wieder in ihren Bann. Im freundlichen Licht der ab jetzt bayerischen Morgensonne ging es weiter den Main hinauf.

 

Auch das Städtchen Miltenberg präsentierte sich an diesem Morgen von seiner besten Seite. Die Horden der einfallenden (Fluß-) Kreuzfahrer lagerten wohl noch in Ihrem Schiff vor der Stadt beim Frühstücksbuffet. Und auch meine Erinnerung an alte Untaten wurden wieder wach: ich war hier mal ein echter Roadie einer ortsansässigen Bluesrockband. Wir haben am Gründonnerstag getanzt! Im Spessart!! In Bayern!!! Bis es der Bürgermeister verbot. Deswegen ist es hier idyllisch geblieben:

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In Wertheim waren wir dann froh, vom Mainradweg wegzukommen. Zu viele Rentnergruppen auf eBikes. Im Prinzip sind diese immer wieder ähnlich furchteinflößend. Angeführt werden sie immer von einem emotional Leader, meist einer älteren Dame. Der emotional Leader – kurz EL- hat die Aufgabe, der Truppe in jeder Hinsicht zu zeigen, wo es langgeht: den Weg, die Geschwindigkeit, die gute Laune, das Gesprächsthema, das Essen und und und…… Wirkt sich beim Fahren leider so aus, dass der EL immer wieder den Kopf dreht, um diese Dinge allen anderen Mitradlern mitzuteilen. Bildlich: eine aufrecht sitzende Dame, bunt gekleidet, kommt Euch mit niedriger Trittfrequenz entgegen geeiert. Die Hände folgen dabei immer der Bewegung des Kopfes, der Mund steht niemals still. Und das bei fast maximaler Geschwindigkeit. Wer jemals Flußradwege flußaufwärts gefahren ist, weiss, wovon ich rede.

Nicht falsch verstehen: wir finden es toll, dass das eBike älteren Menschen die tollen Ausflüge ermöglicht. Aber die Radwege sind dadurch manchmal verdammt schmal.

Also ab ins liebliche Taubertal. Ach, was ist das lieblich:

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Oder das hier, Lieblichkeit für Pessimisten:

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Oder haben wir das mit dem lieblich nicht ganz verstanden und es geht in Wirklichkeit um etwas ganz anderes?

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Wie dem auch sei, hinter Bad Mergentheim streikten die Är….. – unsere eigenen natürlich. Eine Pension liegt direkt am Wegesrand. Die Besitzer waren nicht da, wir konnten aber nach Erhalt eines Codes per Telefon einen Schlüssel einer Box entnehmen. So viel Vertrauen machte uns Rhein-Mainler erst mal baff. Und Frühstück konnten wir freundlicherweise gleich mitbestellen. Um es vorwegzunehmen: es war prima.

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Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – Tag 1

Die erste Fahrt mit dem vollbeladenen Bike war richtig gut. Niemand ist umgefallen und falls einen von uns mal ein Schwächeanfall ereilen sollte, gibt es ja eine Anfahrts- und Schiebehilfe. Auf bekannten Wegen ging es hinunter zum Main. Dort frischte der Wind auf, die Wolken wurden dichter, der Wettergott hatte da wohl was verwechselt. Wir bettelten den Fährmann in Höchst an, uns trotz Sturmwarnung noch überzusetzen.

 

Kann sein, dass ich hier etwas übertreibe, nur ein bisschen, also ganz wenig…….. aber auf dem Bild sieht es freundlicher aus, als es war. Der Wind frischte auf und die Temperaturen fielen. Mit Rückenwind ging es dann vorbei am Gerippten, einem der Frankfurt Wahrzeichen. Mit den aufziehenden dunklen Wolken erinnerte es mich irgendwie an die Ghostbusters.

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Und tatsächlich galt es jetzt, sehr tapfer zu sein, auch ohne die Hilfe der Ghostbusters: die Frankfurter mussten durch Offenbach. Offenbach, das ist wie Schalke zu Dortmund, wie Düsseldorf zu Köln, das ist für einen Frankfurter so etwas wie der peinliche Onkel, der bei Familienfeiern draussen an der Tür klopft und drinnen alle so tun, als wäre keiner da. Überraschung: in Offenbach leben richtige Leute. Und die haben sogar richtig schöne Ideen, wie diesen Großstadtgarten:

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Offenbach lag schnell hinter uns. Vor Aschaffenburg – oder Aschebersch – kam dann der „Point of no return“ . Die Akkukapazität würde nicht mehr bis zurück nach Hause reichen. Es ging also nur vorwärts bis zum geplanten Bett&Bike in Obernburg, welches wir uns auf der Mainradweg-App ausgesucht hatten. Der eine nahm´s gelassen:

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die andere zeigte ihre Tapferkeit durch zusätzliche Gymnastikübungen:

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Gegenüber des Aschebescher – Ihr erinnert Euch? – Schlosses spielten die Musiker des Afrika Festival tapfer gegen die gar unafrikanischen Temperaturen an. Über allem lag ein Haschdunst, der bis zum altehrwürdigen Schloss zog.

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Der Tag endete dann noch etwas anstrengend. Die Hälfte der in der App angezeigten Bett&Bike Pensionen existierte nicht mehr, die andere Hälfte war ausgebucht. Wir waren schon 110km unterwegs und hatten nur noch Saft für 25 km. Es waren herbstliche 13 Grad und der A…… brummte. Trotzdem weiter, Zelten schien nicht so wirklich attraktiv. Kurz bevor unser eigener Akku leer war und wir die letzten Elektronen aus dem Akku der Bikes herausgequetscht haben, wurden wir mit viel Liebe im Hotel Liebe in Erlenbach am Main aufgenommen.

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Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – die Vorbereitung

Mitte August 2014. Endlich Urlaub. Und der sollte vor der Haustür beginnen. Der Plan: an Main und Tauber entlang bis Rothenburg, ab da das Altmühltal hinunter, Queren zur Isar bis München. Von dort dem Mangfallradweg folgen und ab Salzburg dann der Alpe-Adria. Die Ferienwohnung im wunderschönen Gailtal war gebucht – perfekt, so sieht ein Plan aus. Es kam dann etwas anders………….

2014 waren wir beide knapp 50 Jahre alt, unseren damaligen Gesamtzustand würde ich als zivilisationsverwöhnt beschreiben. Da wir seit der Anschaffung unserer S-Pedelecs bei Wind und Wetter viel unterwegs waren, waren Kondition und Sitzfleisch nicht ganz schlecht. Als große Reiseradler würde ich uns nicht bezeichnen, eher als ganz normale Leute, die durchs eBike (wieder) aufs Rad gefunden haben. DER Traum der Marketingabteilungen der eBike – Hersteller.

Seit Urzeiten bin ich leidenschaftlicher Camper. In Garage und Keller fand sich noch ein Zelt, Matten gab es zu der Zeit bei Aldi und Sommerschlafsäcke haben wir auch noch besorgt. Die Taschen von Ortlieb haben sich vorher im Alltagseinatz bewährt. Wir hatten über den Winter und im Frühling so einiges ausprobiert. Patricia wurde meist bei Aldi fündig, die Radklamotten taugen was. Leider sind männliche Aldi- Radler wohl eher schmächtig, mir passt da nichts. Ich nahm also meine zuvor bewährten Trekkingklamotten mit, die Radhose zog ich einfach drunter. Patricia trug ihre Trekkingschuhe, ich hatte meine MTB- Schuhe für die Klickies. Da Sommer war, sollten ein Paar Flip-Flops als Ersatzschuhe reichen. Jacken und lange Hosen waren wasserfest, auf richtig wasserdichte Regenkleidung verzichteten wir.

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Zum üblichen Inhalt des Kulturbeutels gesellten sich ein kleines Erste- Hilfe – Set, Mückenschutz und Sitzcreme. Die Technikabteilung legte Wert auf Ersatzschlauch, Pumpe, Reifenheber, einen Satz Inbusschlüssel, Taschenmesser und ein kleines Multifunktionstool. Unser Fahrradhändler vermietete uns noch zwei Akkus für einen geringen Obulus, jetzt war alles komplett.

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Zur Orientierung habe ich dann noch ein paar Apps auf iPhone geladen: Mainradweg, liebliches Taubertal, Altmühltalradweg, Bayernradler, Outdooractive.

Alles passte auf die Bikes, auf die Waage gingen wir lieber nicht damit.

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Paris – oder unverhofft kommt oft

An alle Bahn- Basher: die Preis- und Reservierungspolitik der Deutschen Bahn hat auch Vorteile. Auf einer Geschäftsreise nach Paris bescherte sie mir ein paar sonnige Stunden „Warte“zeit in Paris. Also ab in die Stadt. Laufen? Zu langsam. Metro fahren?  Wer das Testbild mochte, nutzt auch die Metro zum Sightseeing.  Hop-on/ hop-off – Bus? Geniessen wir mit allen anderen den legendären Pariser Verkehrsfluß. Aber da gab es ja noch die Gegenstücke zu den Boris-Bikes in London, die Mietbikes von Velib . Also ab zur nächsten Mietstation, Kreditkarte raus und das Ticket gebucht. Tagesticket € 1,70,–, jede erste halbe Stunde ab Mietstation frei, die nächste halbe Stunde € 1,–, die nächste dann € 2,– und so weiter. Tipp: alle 30 Minuten in einer Station eindocken, Umgebung besichtigen, dann weiter. So bleibt das Budget unbelastet und reicht noch für ein Getränk in einem der berüchtigten Unterschlüpfe für Straßenräuber, auch genannt Café.

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Das „Handgepäck“ findet etwas abenteuerlich auf dem Lenkerkörbchen Platz, dann geht es einigermassen.

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Es gibt viele und gute Radwege und die Autofahrer sind besser als ihr Ruf. Am schönsten jedoch ist ein Trip entlang der Seine.

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