Nach Kärnten oder von Zweien, die auszogen, die Alpen zu überqueren – das Ende

Sehr gut geschlafen, schönes Zimmer, nette Gastgeber – leider kein Frühstück und der einzige Bäcker des Ortes weilte im sonnigen Süden. Recht hatte er, es ist über Nacht  kalt geworden, aber so richtig. Zum Glück ist es auf dem weiteren Weg hügelig, da wird uns schnell etwas wärmer. Beim Anblick der fast reifen Hopfenblüten lacht dem Geniesser das Herz. Ich habe schon viel Hopfen zu mir genommen, die Unterschiede zwischen den Sorten habe ich aber erst wahrgenommen, als ich jetzt an den Blüten gerochen haben. Zitrone, Orange und Mandarine dominierten bei den neuen Sorten.

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Halb verhungert überfielen wir in Pfaffenhofen den ersten Metzger und plünderten seine Frischetheke. Wir waren nicht die Ersten, in einem Wohnmobil vor der Tür frühstückte ein nettes Paar und wir kamen ins Gespräch. Es ist einfach klasse, 90% aller Gespräche beginnen mit: „Warum hat Ihr Bike ein Nummernschild?“ . Also liebe zweiradfahrenden Mitstreiter: solltet Ihr auf einer Tour unter Vereinsamung leiden, montiert einfach ein Nummerschild ans Bike, egal was, egal wo, es funktioniert.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir bisher keine Route für die Alpenüberquerung ausgesucht hatte. Plan war: bis Rosenheim und dann mal sehen. Der nette Wohnmobilist hatte vor ein paar Jahren den Alpe-Adria Radweg gemacht, diesen Tipp nahmen wir dankbar an. Aber erst mal galt es, die Isar zu finden, nicht ganz leicht im Bayernnetz mit den Beschilderungen, die immer nur den nächsten Ort oder besser noch, den übernächsten anzeigten.

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Wir haben sie dann gefunden, voller Vorfreude auf Biergärten, einem zünftigen Essen, den englischen Garten, ein Bad in den Isarauen…… ach München, Du großartige Metropole der lockeren bajuwarischen Lebenskunst.

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Das Bild vor München

Die Realität hielt dem nicht ganz stand: der Isarradweg ist links und rechts umsäumt von hohem Gebüsch, was einer schönen Aussicht nicht ganz zuträglich ist. Es gab auf 25 km keinen einzigen Biergarten, noch nicht mal einen Wegweiser zu einem solchen. Der englische Garten war leer, keine Menschenseele zu sehen. Und Essen? Das einzige offene Café auf dem Weg hatte am Nachmittag nur kalte vegetarische Küche. Aber die Radler in der Stadt waren super freundlich. Sobald wir stehen blieben, fragte jemand, ob wir den Weg kennen und ob man uns helfen könne. Ein Radler nahm uns dann ins Schlepptau bis zum südlichen Stadtrand. Der war was durchtrainiert: mit dem Siebengangrad seines Vaters fuhr er Kreise um uns.

Hinter München dann in Richtung Voralpen wollten wir eine Unterkunft suchen. Alles belegt: Hotels, Monteurzimmer, Pensionen, einfach alles. Und da wir längs der A8 fuhren, belegten die Reisenden auch dort alle übrigen Zimmer.

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Das letzte Bild nach München

Es war inzwischen saukalt, regnerisch, die Alpen versteckten sich und wir hatten fast 140 km in Beinen und Akkus. Die Kekse vom Titelbild sahen aus wie mit Rauhreif überzogen. Das letzte freie Zimmer im Umkreis von 30 km konnten wir in Rosenheim buchen, original 60er Jahre…. nicht Style, sondern original! Mit dem Zug fuhren wir dort hin und fielen todmüde, völlig fertig und frustriert ins Bett.

Am nächsten Tag waren die Berge von einer leichten Neuschneedecke überzogen. Dafür waren wir nicht ausgerüstet und motivierend war es nun auch nicht unbedingt. Geschwind buchten wir ein Quer-durch-Deutschland-Ticket und 12 Stunden später waren wir wieder zu Hause.

Ab mit den Rädern ins Auto und ab ging es nach Kärnten. Wie wir unterwegs feststellten, war die Null-Grad Grenze tagsüber bei 1500m angekommen, es war eine gute Entscheidung.

 

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