Fremdgeher – Hannibal reloaded

Die Älteren unter uns erinnern sich noch gut an den 2. punischen Krieg. Die Karthager wollten die im Vergleich zu ihrer Heimat fruchtbaren und kühlen Ebenen in Norditalien erobern. Es gab weder Reiseblogs noch Navi´s noch Wetterapp´s und so zog ein Feldherr namens Hannibal mit Kriegselefanten und völlig untauglichem Material mal eben los.

Unterwegs wurden ihm und seinen Mannen klar, dass Wüstenausrüstung, Rüstungen, Kriegselefanten und schweres Gerät keine gute Grundlage für eine Alpenüberquerung abgeben. Die Römer glaubten, dass niemand so deppert wäre, die Alpen zu überqueren, so konnten Hannibal und seine Mannen die Römer vernichtend schlagen. Die Elefanten überlebten die Reise. Das gab Anlass zur Hoffnung.

Im Prinzip war unser Plan ja ähnlich: von den Wüstengebieten in Gran Canarias Süden aus wollten wir mit einem Fußmarsch über die höchsten Gipfel die gemässigte und nicht ganz erschlossene Westküste touristisch erobern. Die Rolle der Elefanten mussten wir dabei selbst übernehmen.

Im Gegensatz zu Hannibal konnten wir dabei nicht nur auf die Sagen unserer Ahnen ( Eltern ) zugreifen, sondern uns auch auf die Spuren fremder Gran Canaria Bezwinger bei Outddooractive und Koomot begeben sowie die Berichte von Geschichtenerzählern im großen Netz lesen.

So erfuhren wir, dass Wasserstellen knapp seien und es auch mit den Verpflegungsstellen nicht weit her sei und obendrein hätten diese rund um die spanischen Feiertage herum geschlossen. Der Höhepunkt des Weihnachtsfestes sei zwischen Sylvester und dem 6. Januar. Das Bussystem sei prima. Klimatisch hiesse Gran Canaria auch Insel des ewigen Frühlings, auf der es in den Bergen im Januar schon mal schneien oder länger regnen könne. Lufttemperaturen zwischen 5 und 20° C seien ideal zum Trekking. Es gäbe dort fast überall alles, was man hier auch bekomme, sogar Gaskartuschen. Und das öffentliche Bussystem sei super, die Busse könnten nur etwas öfter fahren. Nein, es machte uns nicht stutzig, dass wir nur 3 ältere Trekkingblogs und nur 2 Mehrtagestouren im großen Netz fanden. Wanderer sind halt nicht so mitteilungsfreudig wie Bikeblogger…….

Wir kalkulierten also 2 x 3 Liter Wasser und fast 6 kg Verpflegung mit Nüssen, Brei und Reinhold Messners Himalaya Survival Food = Cacciatore und Schüttelbrot. Regenponcho und warme Klamotten waren neben Dackelgarage, Isomatten und Schlafsäcken auch im Gepäck. Trekkingschuhe sollten reichen. Ein Satz Klamotten zum Wechseln. Und den Weg sollten uns ein eTrex und eine Kompass Wanderkarte weisen. Und dann noch Drohne und die gute Kamera. Zu guter Letzt noch ein  AirBnB Apartment für eine Nacht in der Nähe des Toureinstiegs gebucht – es konnte ja nichts mehr schief gehen.

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Oder? Der durchschnittliche Thomas Cook Airline Nutzer scheint ca. 1,60m groß zu sein. Erholung beginnt halt erst am Urlaubsort. Das Bussystem ist wirklich prima ausgebaut. Gepäck im Bus übrigens nicht erlaubt. Nur war der erste Busfahrer wohl zu faul, alle Gepäckfächer seines Busses zu öffnen und fuhr fast leer von Dannen. Beim zweiten Bus war dann die Stimmung unter den Mitreisenden nicht mehr so ganz urlaubsmässig entspannt, als alle gleichzeitig ihr Gepäck in das kleine Fach packen wollten. Der Busfahrer tat so, als würde er verstehen, wo wir hinwollten und hat uns dann 2 km vor dem Ziel aus dem Bus gelassen. So liefen wir dann – vorbei an offenen Läden und Supermärkten – zu unserem AirBnB Room. Und stellten dabei fest, dass angebliche 15° C ziemlich heiss sein können. Flugs noch Frühstück besorgt, ein bisschen was im Cafe um die Ecke getrunken und ab ins Bett. Sylvester wollten wir verschlafen.  AirBnB birgt wohl immer ein kleines Risiko: unsere Mitbewohner waren zwar nicht laut, frassen uns aber nach ein paar Joints unser Frühstück aus dem gemeinsamen Kühlschrank weg. Wir freuten uns echt auf die Wanderung in menschenleeren Gegenden.

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Im Morgengrauen ging es los. Die Rucksäcke, liebevoll Monster genannt, auf dem Rücken verliessen wir die Zivilisation und waren ruck-zuck in der Wüste. Es ging durch einen Canyon, hier Barranco genannt.

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Unwillkürlich gingen uns alle Filme, die je in Wüsten spielten, durch den Sinn. Besonders die Filme, in denen die Indianer, Cowboys, Dothrakis, die Israeliten beim Auszug aus Ägypten in der Wüste Sinai, die Horden des Dhingis Kahn in der Wüste Gobi und andere dem Tode durch Verdursten nahe waren. Und wir waren da noch im Morgenschatten.

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Alleine diese Phantasien steigerten unseren Wasserverbrauch auf 1 Liter pro 2 Kilometer – hochgerechnet. Und ein Blick auf Karte und Wegbeschreibung ließ uns dann die Entfernung zum nächsten Wasserloch wissen, was der Stimmung nicht wirklich zuträglich war. Mit Hilfe der hohen Kunst des Selbstmotivationsmantras – in 3 Tagen gibt es ja wieder kaltes Bier, in 3 Tagen……….-  ließen wir uns die Laune nicht verderben und gingen weiter. Die Begegnung mit einem e-Mountainbiker zeigte, dass wir nicht die einzigen Naivlinge waren, die Tourenbeschreibungen allzu ernst nahmen. Zitat eMTB´ler: „Diese Idioten! Von wegen leichte Einsteigertour. Jetzt fahre ich schon seit 30 Minuten mit 180er Puls hier hoch. Und Akku fast leer, Wasser fast weg, was ne Sch……“ . Schimpfte, und fuhr weiter. Wohin auch immer. Wir schimpften auch, denn es ging nach steilem Aufstieg wieder 300 hm runter.

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Wir folgten weiter der blauen Linie des Navi´s und kamen zu einer Pfütze von See. Das Wanderpaar, was uns aus der Richtung entgegen kam, in die wir wollten, war echt sauer. 1000 Hm steiler Abstieg, kein Wasser, wenig Essen, die geschlossene Bar im Ort und 300 HM Aufstieg sowie ein Wüstencanyon stellte auch bei ihnen hohe Ansprüche an die Selbstmotivation. By the way empfanden sie auch die Wegbeschreibung als äusserst optimistisch. Bar zu, See trocken, Wasserflaschen ziemlich leer und die Information, dass auf den nächsten 1000 Hm weder Wasser noch ein Stück ebene Fläche für ein Zelt zu finden sind, da waren noch Steigerungsmöglichkeiten fürs Wandern.

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Wir schnorrten also Wasser und eine Orange von unwahrscheinlich netten Menschen und schlugen um 17 Uhr unser Zelt auf einem Schotterweg auf. Zu Essen gab ein Reinhold-Messner-Gedenk-Menü und rationiertes Wasser.

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Die Nacht war fürchterlich. Die Windböen nahmen in den Bergen Anlauf und schossen den Barranco runter.  Zwischendurch war es völlig windstill und so hörten wir den Wind von Baum zu Baum näher kommen. Als würde eine Hexe den Wind beschwören. Unser Zelt war da leider im Weg und die Windhexen schleuderten Wind und Staub an unser Zelt. Der Staub war so fein, dass er durch alle Ritzen hinein kam. Am nächsten Morgen machten sich zwei um 20 Jahre ergraute Gestalten an den Aufstieg in die nächste Vegetationszone. Mehr Bäume, mehr Geröll, mehr verkohlte Stämme, der Wasserverbrauch erhöhte sich.

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Ob wirklich, ob durch die Fantasie oder das Wissen, dass es auch die nächsten 10 km keine Quelle geben wird, wir wissen auch heute noch nicht genau, warum wir das Gefühl ständigen Verdurstens hatten. Das Gefühl kam früher immer auf, wenn man eine Überdosis FONDOR übers Essen gekippt hat.  Auch Glutamat genannt, war ja mal ziemlich en Vogue, das Zeugs.  Dann geschah es: erst hörten wir ein feines Klack-Klack, was näher kam. Dann Stimmen. Dann sahen wir ein Paar. Jogger, Bergläufer, was auch immer. Wir schleppten uns den Berg hoch, die sprangen von Stein zu Stein. „Hola“ und „Hola“, weg waren sie. Meine Güte, wie schnell kann man doch altern. Wir waren wie Hannibals Zeitgenossen bzw. Elefanten, die beiden wie junge Elfen. Es war Höchststrafe. Später lasen wir, dass es eine Art Cross-Gran-Canaria-Lauf gibt, die haben wohl dafür trainiert. Wir fanden dann noch Wasser in einer Zisterne. Dabei verliessen wir uns darauf, dass wohl niemand einen Wasserhahn irgendwo anbringen würde, wenn er das Wasser nicht trinken wollte. Das Wasser war gut, wir bekamen keine Pest, Cholera oder Amöbenruhr…….

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Die Landschaft war ein wenig eintönig, wir haben uns 2 – Euro große Blasen mit den Blasenfrei- Socken gelaufen, zum Glück war es nicht mehr weit zur nächsten Straße mit Bushaltestelle. Zumindest auf der Karte, wir brauchten auch dafür gefühlt einen halben Tag.

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Frau Maps von und zu Google gab uns ein paar Telefonnummern mit Hotels entlang der Busroute. Zunächst schien alles voll, doch dem nettesten Menschen von Gran Canaria, Mario von der Finca Tasso Mio in Fataga taten wir leid und er machte uns für 2 Nächte ein wundervolles Zimmer frei. Den Abend verbrachten wir auf der Dachterrasse des Tasso Mio.

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Dann vermittelte Mario ein Ferienapartment für uns in Fataga. Nach den 2 Tagen Wanderung haben wir die Insel gehasst. Doch durch den Aufenthalt im Tal der 1000 Palmen, durch Begegnungen mit netten Leuten, sowohl Bewohnern als auch Gästen, nach Erkundung der gesamten Insel mit dem Mietwagen und durch gutes Essen wuchs uns die Insel ans Herz.

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Marios Tasso Mio wird für uns immer die erste Adresse auf Gran Canaria sein, denn es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Wunderschöner Garten mit Orangenbäumen, sehr geschmackvolle Inneneinrichtung, tolles Frühstück, ehrliche Preise und ein sehr sehr zuvorkommender Gastgeber machen den Urlaub perfekt.

Genießt einfach die weiteren zahlreichen Bilder:

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