Warme Ohren – Erster Erfahrungsbericht mit dem Giro Bexley

( Werbung: Der Helm wurde mir von der Firma Grofa aus Bad Camberg zur Verfügung gestellt. Alle Aufnahmen wurden bei see feel drive in Wiesbaden in der Nettelbeckstraße 13 gemacht. Die Skulptur ist vom Holzbildhauer Leif-Erik Voss.  Und wenn wir schon am Werben sind, dann auch Eigenwerbung. Der nachfolgende Artikel unterliegt selbstverständlich dem Kodex des Wriders-Club. )

Nach 5 Jahren hatte mein geliebter Specialized-Helm ausgedient, Zeit für einen neuen Helm. Nicht ganz einfach, die Suche nach einem passenden Helm war für mich schon zu Motorradfahrerzeiten eine mittelprächtige Katastrophe. Eierkopf halt. Eingeschränkt wurde die Auswahl noch dadurch, dass ich dachte, es sei ganz nett, einen Helm gemäß der Norm NTA8776 zu haben. Und ein versenkbares Visier.

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NTA8776 ist die holländische Norm für Speedpedelec-Helme. Die Anforderungen liegen in der Mitte zwischen der EN1078 für Fahrradhelme und der ECE22.05 für Motorradhelme. In der Schweiz sind Helme nach Fahrradnorm vorgeschrieben, Deutschland hat bislang noch keine verbindliche Norm für S-Pedelecfahrer festgelegt, es heißt lediglich „es sei ein geeigneter Helm zu tragen“. Der Rest Europas zwingt die S-Pedelecfahrer, Motorradhelme zu tragen. Gerüchteweise wird man sich europaweit auf die NTA8776 einigen.

Ich klagte also dem Mitarbeiter der Grofa mein Leid. Und er mir seines, dass es an Erfahrungsberichten mangele, denn S-Pedelecfahrer seien rar. Als wir mit Jammern fertig waren, wurden wir uns einig, ein Giro Bexley wird mir zugeschickt.

Der Bexley ist im Vergleich zu einem MTB-Helm recht schwer. Das liegt nicht nur an der robusten Schale, auch die Ausstattung fühlt sich nach schwerer Qualität an. Die Polsterung ist üppig, nichts drückt und die Anpassung an den Kopf funktioniert wie von fast allen anderen Fahrradhelmen gewohnt. Er passt mir wie angegossen, da wackelt nix.

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Der Kinnriemen ist tatsächlich nur als Abstreifschutz da. Visier runter, ein Blick in den Spiegel und……………………nach 10 Minuten bekamen wir wieder Luft, so mussten wir lachen. Gestatten: Hercule Poirot.

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Der Bexley hiess ab sofort „Moustache“.  Der Schnauzer dient übrigens zum Runterziehen des Visiers. Das Visier hat viele Raststufen, eine Brille passt bequem drunter.

Es gibt eine Menge Belüftungsöffnungen, eine ausgeklügeltes, auch verschließbares System soll für angenehmes Klima sorgen.

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„Moustache“ hat ein riesiges Rücklicht. Geladen wird der integrierte Akku über das beigelegte Micro-USB-Kabel, so kann zum Beispiel am PC geladen werden. Daten werden nicht übertragen, ich fühle mich zumindest nicht schlauer.

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Nirgendwo wird beschrieben, dass „Moustache“ , zumindest die Version „Titanium Matt“, mit Reflexmaterial beschichtet ist. Wenn Du diesen Helm im Dunklen trägst und jemand behauptet, er hätte Dich nicht gesehen, war es ein Smombie oder Absicht.

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Jetzt aber ab aufs Rad. Erster Eindruck: hat eher was von Motorrad- als Fahrradhelm. Nicht so sehr durch das Gewicht – der Helm ist gut ausbalanciert – als dadurch, dass ich wegen Visier und Ohrenschützer die Umwelt etwas gefiltert wahrnehme. Die Windgeräusche sind bei langsamer Fahrt etwas störend, es wird aber auch bergab in voller Fahrt bei 70km/h nicht lauter. Und somit nehme ich bei schneller Fahrt trotz Ohrenschützern die Umgebungsgeräusche besser wahr als mit meinem alten Specialized. Riesen Pluspunkt.

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Das Visier dagegen ist eher eine Reminiszenz an die Motorradhelme der 80er. Bekomme ich mit Handschuhen nicht runter, es beschlägt leicht und es zieht ab 30km/h von der Seite in die Augen. Nach langem Hoch- und Runterschieben habe ich dann eine Position gefunden, mit der ich einigermaßen leben kann. Ich muss gestehen, ich mag Brillen noch viel weniger, deshalb ist es für mich trotzdem ein Fortschritt.

Die Belüftung ist klasse, das System funktioniert schon bei geringen Geschwindigkeiten. Zumindest bei den Temperaturen letzten Tage, zwischen 2° und 12° ist es sehr angenehm. Unter der Aldi-Joggingmütze + altem Helm habe ich mehr geschwitzt. Und trotzdem nie so schön warme Ohren.

Beleuchtung und Reflexbeschichtung sind wohl ganz großes Kino. So viel rücksichtsvolles Überholen und Sicherheitsabstand der Autofahrer war nachts noch nie, seitdem ich Speedpedelecbiker bin.

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Fazit: ich hätte es bis zur ersten Ausfahrt mit „Moustache“ nicht geglaubt, aber wegen des Zugewinns an Komfort und Sicherheitsgefühl ist ein spezieller Helm für S-Pedelecs eine tolle Sache. Besonders für die Alltags-Pendel-Fahrten, die ja immer volle Pulle sind. Wie es bei Minustemperaturen und im Sommer aussieht, werde ich hier weiter berichten. Bis auf das etwas verbesserungswürdige Visier hat Giro für die jetzigen Wetterbedingungen mit dem Bexley alles richtig gemacht. Ich mag ihn nach dem Anhalten gar nicht mehr abnehmen.

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7 Gedanken zu “Warme Ohren – Erster Erfahrungsbericht mit dem Giro Bexley

  1. Danke für den Bericht, bin auch immer interessiert, was sich im Helmbereich so tut. Ich habe leider – für eine Frau – mit 61 cm Umfang auch einen grossen Kopf und daher sehen Helme bei mir auch schnell überdimensioniert aus.
    Kleine Korrektur: in der Schweiz ist für S-Pedelecs klar ein Velohelm (EN 1078) vorgeschrieben (natürlich kann man auch einen nach der neuen niederländischen Norm tragen), aber im Gegensatz zu DE ist es klar formuliert, was für ein Helm es bei einem schnellen E-Bike sein muss.

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  2. Hallo Martin,

    Danke für den Bericht.

    Ein guter Helm ist mir wichtig; das Fahrradgefühl soll aber möglichst nicht verloren gehen. Daher kommen mir solche Visiere etwas gewöhnungsbedürftig vor. Z.Z. fahre ich einen MTB-Helm, unterm ich mich eigentlich ganz gut aufgehoben / geschützt fühle. Aber damit kann man halt nur in Deutschland fahren. Ins Ausland habe ich mich mit meinem S-Ped wegen der unübersichtlichen Vorschriften aber ohnehin noch nicht getraut.

    Was wiegt der Giro Bexley denn konkret in Zahlen? Kannst Du den mal wiegen, bitte?

    Die Reflexbeschichtung ist schon genial

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    1. Hallo Marcus,

      „Moustache“ wiegt auf unserer Küchenwaage 880 Gramm. Ich denke, in der Freizeit und auf Touren werde ich den MTB-Helm nehmen, ist 500 Gramm leichter. Aber der Bexley ist für mich der ideale Pendel – und Stadthelm.

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